Ratgeber für Kandidaten

Wohin in der Schweiz ziehen? Die Regionen der Deutschschweiz im Überblick

Von Jürgen Winkler, Fachberater Industrie & Technik · Stand Oktober 2026 · Lesezeit 8 Minuten

Leitfaden als PDF

Der komplette Leitfaden plus Extras, die es nur im PDF gibt: eine Bewertungsmatrix für drei Wunschorte zum Ausfüllen, eine Fragenliste für das Besichtigungswochenende und eine Checkliste für die Wohnortwahl. Kostenlos per E-Mail.

«Wo sollen wir hinziehen?» ist für viele Zuzügerinnen und Zuzüger die erste grosse Frage, noch bevor es um Bewilligung oder Krankenkasse geht. Die Schweiz ist klein, aber die Unterschiede zwischen den Regionen sind gross: bei der Miete, bei den Steuern, bei der Erreichbarkeit und auch beim Dialekt. Dieser Überblick hilft Ihnen, die Regionen der Deutschschweiz einzuordnen und eine Entscheidung zu treffen, die zu Ihrer Stelle und Ihrer Lebenssituation passt. Ob sich der Schritt in die Schweiz überhaupt lohnt, lesen Sie in Warum sich ein Umzug in die Schweiz lohnt; wie der Umzug selbst abläuft (Anmeldung, Krankenkasse, Wohnungsbewerbung), steht im Umzug-Leitfaden.

Erst der Arbeitsort, dann der Wohnort

Der häufigste Denkfehler: zuerst die Traumregion wählen und dann eine Stelle suchen. In der Praxis ist es umgekehrt. Der Arbeitsort steht fest, sobald Sie einen Vertrag haben, und der Wohnort sollte sich danach richten. Industrie- und Technikarbeitgeber liegen oft nicht in den Stadtzentren, sondern in Gewerbegebieten von Kleinstädten und Dörfern. Ein Wohnort, der auf der Landkarte nah wirkt, kann mit dem öffentlichen Verkehr umständlich sein, und umgekehrt.

Faustregel: Legen Sie zuerst fest, wie lange Sie höchstens pendeln wollen (zum Beispiel 30 oder 45 Minuten pro Weg), und ziehen Sie dann einen Kreis um den Arbeitsort. Erst innerhalb dieses Kreises vergleichen Sie Miete, Steuern und Lebensqualität.

Der Wohnungsmarkt ist überall eng, aber nicht überall gleich eng

Die Leerwohnungsziffer, also der Anteil leerstehender Wohnungen, lag am 1. Juni 2026 schweizweit bei 0,93 % und ist damit im sechsten Jahr in Folge gesunken. Am knappsten ist der Kanton Zug (0,20 %), in der Grossregion Zürich sind es 0,52 %, in der Ostschweiz 0,93 % und in der Nordwestschweiz 0,90 %. Deutlich mehr Auswahl gibt es etwa im Kanton Solothurn (1,91 %). (Quelle: BFS, Leerwohnungszählung, Medienmitteilung vom 10.09.2026)

Auch die Mieten unterscheiden sich stark. Die durchschnittliche Nettomiete einer Mietwohnung lag 2023 bei 1’451 Franken pro Monat. Am teuersten waren Zug (1’931 Franken), Zürich (1’722 Franken) und Schwyz (1’695 Franken). (Quelle: BFS, Strukturerhebung 2023) Wichtig: Das sind Durchschnittswerte über alle bestehenden Mietverhältnisse, auch über sehr alte Verträge. Wer heute neu sucht, zahlt in der Regel deutlich mehr als diesen Durchschnitt. Die Werte taugen deshalb für den Vergleich zwischen Regionen, nicht als Budgetzahl.

Steuern: zwischen Kantonen und sogar Gemeinden verschieden

In der Schweiz erheben Bund, Kanton und Gemeinde je eigene Steuern, und jede Gemeinde setzt ihren eigenen Steuerfuss. Deshalb kann die Belastung schon zwischen zwei Nachbardörfern spürbar abweichen. Im Vergleich der Kantonshauptorte liegen Zug und Schwyz deutlich am günstigsten, Bern, Solothurn und Liestal eher am oberen Ende der Deutschschweiz. (Quelle: ESTV, Steuerbelastung in den Kantonshauptorten, Steuerjahr 2024, Musterfall ledig, 100’000 Franken Bruttolohn)

Wie die Gemeindesteuer funktioniert, wie die Quellensteuer bei Bewilligung B wirkt und wie Sie Gemeinden selbst vergleichen, erklärt unser Ratgeber zu Steuern und Gemeindesteuer. Für die Wohnortwahl genügt hier: Steuern sind ein echter Faktor, aber selten der wichtigste. Tiefe Steuern gehen oft mit hohen Mieten einher.

Die Regionen im Überblick

Die Reihenfolge richtet sich danach, wo die meisten Stellen in Industrie und Technik ausgeschrieben sind (eigene Auswertung von rund 7’500 Schweizer Stelleninseraten, 2026): mit Abstand am meisten im Grossraum Zürich, danach Bern/Solothurn, die Ostschweiz und die Zentralschweiz.

Grossraum Zürich (inkl. Winterthur, Zürcher Oberland, Limmattal)

  • Arbeitgeber: grösster Arbeitsmarkt der Schweiz, neben Dienstleistungen und Hochschulen viel Maschinen- und Anlagenbau, Gebäudetechnik und Elektrotechnik, besonders rund um Winterthur und im Oberland
  • Miete: hoch, in der Stadt Zürich sehr hoch; nach aussen (Weinland, Oberland, Unterland) etwas günstiger
  • Steuern: im Mittelfeld, Gemeinden am See eher günstiger
  • Verkehr: sehr gutes S-Bahn-Netz, Flughafen, aber volle Strassen zu Stosszeiten
  • Grenze: von Schaffhausen und dem Zürcher Unterland aus schnell in Baden-Württemberg
  • Lebensart: urban, international, viele Zuzüger; Zürichdeutsch gilt als gut verständlich

Bern und Solothurn (inkl. Biel/Seeland, Oberaargau)

  • Arbeitgeber: Präzisions- und Medizintechnik, Uhren- und Mikrotechnik im Jurabogen und rund um Biel und Grenchen, Maschinenbau, Energie, Bundesverwaltung in Bern
  • Miete: eher günstig bis mittel; Solothurn mit vergleichsweise viel Wohnungsangebot
  • Steuern: im oberen Bereich der Deutschschweiz
  • Verkehr: Bern als Bahnknoten mit guten Verbindungen in alle Richtungen
  • Grenze: weiter weg von Deutschland und Österreich
  • Lebensart: gemächlicher Ruf, hohe Lebensqualität; in Biel zweisprachig Deutsch und Französisch

Ostschweiz (St. Gallen, Thurgau, Appenzell, Rheintal)

  • Arbeitgeber: starke Industrieregion mit vielen mittelständischen Betrieben: Maschinenbau, Metall- und Kunststoffverarbeitung, Präzisionstechnik, im Rheintal zusätzlich Elektronik, Optik und Sensorik
  • Miete: eher günstig bis mittel, deutlich unter Zürich
  • Steuern: gemischt; Thurgau im Mittelfeld, Stadt St. Gallen eher höher, viele Gemeinden mit eigenem Profil
  • Verkehr: gute Autobahnachsen (A1, A13), Bahn nach Zürich rund eine Stunde ab St. Gallen; ländliche Orte oft aufs Auto angewiesen
  • Grenze: sehr nah an Vorarlberg und am Bodensee, für Österreicher aus Vorarlberg und Tirol besonders praktisch
  • Lebensart: bodenständig, naturnah; der Dialekt ist für Neuankommende anfangs anspruchsvoller

Zentralschweiz (Luzern, Zug, Schwyz, Ob-/Nidwalden)

  • Arbeitgeber: Medizintechnik, Elektrotechnik, Gebäudetechnik und Maschinenbau, im Raum Zug zusätzlich viele internationale Konzernsitze
  • Miete: Luzern mittel bis hoch, Zug und Ausserschwyz sehr hoch
  • Steuern: Zug und Schwyz schweizweit am günstigsten, Luzern im günstigeren Mittelfeld
  • Verkehr: Luzern und Zug mit guter Bahn nach Zürich; Bergtäler teils abgelegen
  • Grenze: weit von der Grenze, Heimatbesuche bedeuten eher zwei bis vier Stunden Fahrt
  • Lebensart: Seen und Berge vor der Tür, traditionell, im Raum Zug sehr international

Basel (Basel-Stadt, Basel-Landschaft, Fricktal)

  • Arbeitgeber: international bekannt für Chemie, Pharma und Life Sciences; daneben Anlagenbau, Logistik und Zulieferer
  • Miete: mittel, in der Stadt höher; Angebotsmieten deutlich über dem Bestand
  • Steuern: Basel-Stadt im Mittelfeld, Liestal eher höher
  • Verkehr: Drehscheibe mit Rheinhafen, Euro-Airport, sehr gute Anbindung nach Deutschland und Frankreich
  • Grenze: Dreiländereck, Lörrach und Weil am Rhein liegen fast vor der Haustür
  • Lebensart: städtisch, kulturell lebendig, internationaler als andere Regionen; viele Grenzgänger

Aargau und Mittelland (Aarau, Baden, Brugg, Lenzburg, Zofingen)

  • Arbeitgeber: dichte Industrieregion: Energie- und Elektrotechnik, Maschinen- und Anlagenbau, Logistik, Kunststoff und Metall
  • Miete: mittel, günstiger als Zürich bei kurzer Distanz dorthin
  • Steuern: im Mittelfeld, mit grossen Unterschieden zwischen Gemeinden
  • Verkehr: zentral zwischen Zürich, Basel, Bern und Luzern; sehr gute Bahn- und Autobahnachsen
  • Grenze: der Rhein bildet die Nordgrenze zu Baden-Württemberg (Waldshut, Bad Säckingen)
  • Lebensart: pragmatisch, familienfreundlich, viele Pendler; oft unterschätzt

Bodensee und Schaffhausen

  • Arbeitgeber: traditionsreiche Industrie am Rhein und am Untersee: Maschinen- und Anlagenbau, Metallverarbeitung, Verpackung, Medizintechnik
  • Miete: eher günstig bis mittel
  • Steuern: Stadt Schaffhausen im günstigeren Mittelfeld, Thurgauer Seegemeinden unterschiedlich
  • Verkehr: Bahn nach Zürich und Winterthur gut, Ost-West-Verbindungen am See teils langsamer
  • Grenze: direkt an Baden-Württemberg (Singen, Konstanz); Heimatbesuche und Einkauf jenseits der Grenze sind Alltag
  • Lebensart: kleinstädtisch, ruhig, viel Wasser und Rebberge; viele Deutsche in der Nachbarschaft

Graubünden und Glarus

  • Arbeitgeber: kleinerer Industriearbeitsmarkt mit einzelnen spezialisierten Betrieben (Kunststoff, Chemie, Maschinen- und Anlagenbau), dazu Energie, Bau und Tourismus
  • Miete: in Glarus und im Bündner Rheintal eher günstig, in Tourismusorten sehr hoch
  • Steuern: Glarus und Chur im Mittelfeld
  • Verkehr: Chur und Glarus gut an Zürich angebunden, Seitentäler mit langen Wegen
  • Grenze: Graubünden grenzt an Österreich und Italien
  • Lebensart: Berge, Natur und Freizeit; ländlich, wer Anonymität sucht, wird sie hier kaum finden

Region auf einen Blick

RegionIndustrieprofilMieteSteuernNähe DE/AT
Grossraum ZürichMaschinen-/Anlagenbau, Gebäude- und Elektrotechnikhochmittelmittel
Bern/SolothurnPräzision, Medizintechnik, Uhrengünstig bis mitteleher hochweit
OstschweizMaschinenbau, Präzision, Elektronik/Optikgünstig bis mittelmittelsehr nah (AT, Bodensee)
ZentralschweizMedizintechnik, Elektro, Maschinenbaumittel bis sehr hochtief bis mittelweit
BaselChemie, Pharma, Life Sciencesmittelmittel bis eher hochsehr nah (DE, FR)
Aargau/MittellandEnergie, Elektrotechnik, Maschinenbaumittelmittelnah (DE)
Bodensee/SchaffhausenMaschinenbau, Metall, Medizintechnikgünstig bis mittelmittelsehr nah (DE)
Graubünden/Glarusspezialisierte Einzelbetriebe, Energiegünstig (ausser Tourismusorte)mittelnah (AT)

Relative Einstufung auf Basis BFS-Mietdaten und ESTV-Steuerbelastung (siehe oben), innerhalb jeder Region gibt es grosse Unterschiede zwischen Gemeinden.

Die wichtigsten Entscheidungskriterien

  • Arbeitsweg: Fahrzeit zur Stosszeit testen, nicht am Sonntag; Bahnfahrplan und Parkplatz am Arbeitsort prüfen
  • Familie und Schule: Schulen sind Sache der Gemeinde und gut, aber Schulwege, Tagesstrukturen und Kita-Plätze unterscheiden sich stark; Kita-Kosten sind in der Schweiz hoch
  • Partnerin oder Partner: Gibt es in Pendeldistanz auch Stellen für die zweite Person?
  • Steuern und Miete zusammen rechnen: Eine günstige Steuergemeinde mit teurer Miete ist nicht automatisch günstiger
  • Heimatbesuche: Wie oft wollen Sie nach Hause fahren? Grenznähe spart jedes Mal Stunden
  • Lebensart: Stadt oder Dorf, See oder Berge, international oder traditionell

Typische Fehler

  • Wohnung vor dem Arbeitsvertrag suchen und dann jeden Tag weit pendeln
  • Nur die Steuerbelastung anschauen und die höhere Miete übersehen
  • Mietdurchschnitte aus Statistiken als Budget nehmen, obwohl neue Verträge teurer sind
  • Den Arbeitsweg nur mit dem Routenplaner prüfen statt einmal zur Stosszeit zu fahren
  • Sich auf eine einzige Traumgemeinde festlegen, obwohl der Markt eng ist
  • Die Sprachgrenze unterschätzen und in einer französischsprachigen Gemeinde landen

Checkliste Wohnortwahl

  • Arbeitsort genau bekannt (Adresse, nicht nur Firmensitz)
  • Maximale Pendelzeit pro Weg festgelegt
  • Drei bis fünf Gemeinden im Pendelkreis ausgewählt
  • Steuerbelastung dieser Gemeinden verglichen
  • Aktuelle Angebotsmieten auf Immobilienportalen angeschaut
  • Arbeitsweg einmal zur Stosszeit getestet
  • Schule, Kita und Einkaufsmöglichkeiten geprüft (bei Familie)
  • Übergangslösung für die ersten Monate eingeplant
  • Ein Besichtigungswochenende vor Ort eingeplant

Leitfaden als PDF

Der komplette Leitfaden plus Extras, die es nur im PDF gibt: eine Bewertungsmatrix für drei Wunschorte zum Ausfüllen, eine Fragenliste für das Besichtigungswochenende und eine Checkliste für die Wohnortwahl. Kostenlos per E-Mail.

Weitere Ratgeber

Passende Stellen

Stellen für Konstrukteure (CAD) · Stellen für Automationsingenieure (SPS) · Stellen für Mechatroniker · Stellen für Weitere technische Spezialisten · Alle Stellen

Sie suchen eine neue Stelle in Industrie oder Technik?

JobAdvice vermittelt ausschliesslich Festanstellungen direkt beim Unternehmen, in der ganzen Deutschschweiz, persönlich, diskret und für Sie kostenlos.

Jetzt mit uns durchstarten Aktuelle Stellen ansehen

← Alle Ratgeber