Ratgeber für Kandidaten

CAD, CAM und CNC-Steuerungen: welche Software im Schweizer Maschinenbau wirklich gefragt ist

Von Jürgen Winkler, Fachberater Industrie & Technik · Stand Oktober 2026 · Lesezeit 8 Minuten

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Der komplette Leitfaden plus Extras, die es nur im PDF gibt: eine Selbsteinschätzung Ihrer Software-Kenntnisse zum Ausfüllen mit klarer Stufen-Definition, Formulierungsbeispiele für den Lebenslauf und typische Fragen aus Vorstellungsgesprächen zu CAD und CNC. Kostenlos per E-Mail.

«SolidWorks oder Inventor?», «Heidenhain oder Fanuc?» – diese Fragen hören wir von Bewerberinnen und Bewerbern aus der Industrie regelmässig. Statt mit Bauchgefühl zu antworten, haben wir nachgezählt: Welche Programme und Steuerungen nennen Schweizer Unternehmen in ihren Stelleninseraten tatsächlich? Dieser Leitfaden zeigt das Ergebnis, erklärt, was hinter den Namen steckt, wie Sie Ihre Kenntnisse im Lebenslauf glaubwürdig angeben und wie ein Umstieg von einem System aufs andere gelingt.

Unsere Auswertung: was in Schweizer Inseraten steht

Wir haben 7’258 Stelleninserate aus der Schweiz ausgewertet, die zwischen Mitte August und Anfang Oktober 2026 in unserer Stellendatenbank erfasst wurden. Doppelt veröffentlichte Inserate (gleiche Firma, gleicher Stellentitel) haben wir nur einmal gezählt. Gezählt wurde, ob ein Programm im Inseratetext genannt wird – egal ob als Muss- oder als Wunschanforderung. Daraus haben wir zwei Gruppen gebildet: 478 Konstruktionsstellen (Konstrukteure, technische Zeichner Maschinenbau, Entwicklungsingenieure) und 345 Stellen in der CNC-Fertigung (Polymechaniker, CNC-Fachleute, Dreher, Fräser, Schleifer).

Wichtig zur Einordnung: Unsere Datenbank sammelt gezielt technische Stellen aus Industrie und Technik. Die Zahlen sind deshalb kein Abbild des gesamten Schweizer Arbeitsmarkts, zeigen aber gut, worauf es in unserem Bereich ankommt. Wir aktualisieren die Auswertung halbjährlich.

Konstruktion: CAD-Systeme (478 Inserate)

RangSystemAnteil der Konstruktionsinserate
1SolidWorks21 %
2Autodesk Inventor15 %
3PDM/PLM allgemein (Daten- und Stücklistenverwaltung)14 %
4Siemens NX10 %
4AutoCAD10 %
6CATIA7 %
7PTC Creo6 %
8Solid Edge4 %
9Teamcenter / Windchill (PDM/PLM)je 3 %
10Fusion 3601 %

Weitere Beobachtungen: 14 % der Konstruktionsinserate nennen zwei oder mehr CAD-Systeme, oft mit dem Zusatz «oder vergleichbar». FEM-Kenntnisse (Berechnung mit der Finite-Elemente-Methode) werden in 10 % verlangt, das Berechnungsprogramm Ansys in 3 %. Ein ERP-System taucht in 11 % auf, SAP namentlich in 7 %.

CNC-Fertigung: Steuerungen und CAM (345 Inserate)

Rund ein Drittel (32 %) der CNC-Inserate nennt eine Steuerung namentlich, und 30 % erwähnen CAM-Programmierung.

RangSteuerungAnteil der CNC-Inserate
1Fanuc19 %
2Heidenhain16 %
3Siemens Sinumerik5 %
4Okuma, Mazatrol (Mazak), Haasje rund 1 %
RangCAM-SystemAnteil der CNC-Inserate
1Mastercam10 %
2TopSolid6 %
3Alphacam2 %
4Edgecam, SolidCAM, hyperMILL, Espritje rund 1 %

Auffällig: 7 % der CNC-Inserate nennen Heidenhain und Fanuc gemeinsam – viele Betriebe haben Maschinen mit verschiedenen Steuerungen im Einsatz. Dabei zeigt sich ein klares Muster: Bei Stellen mit «Drehen» im Titel wird Fanuc in jedem zweiten Inserat genannt, Heidenhain nur in jedem sechsten. Bei Frässtellen ist es umgekehrt, dort liegt Heidenhain vorne. (Die Untergruppen sind klein, rund 50 Inserate je Bearbeitungsart.)

Über alle 7’258 Inserate hinweg

Im Gesamtbestand führen nicht die Spezialprogramme, sondern die Alltagswerkzeuge: MS Office bzw. Excel steht in 17 % aller Inserate, «CAD» in 13 %, SAP in 7 %. Programmiersprachen wie Python (4 %) betreffen vor allem Automations- und Entwicklungsstellen und sind für Konstrukteure und Polymechaniker meist nur ein Zusatz.

Was die Zahlen für Sie bedeuten

  • Das Prinzip zählt mehr als der Name. Die Hälfte der Konstruktionsinserate nennt kein bestimmtes Programm, und wer eines nennt, schreibt oft «oder vergleichbar». Wer sicher in einem parametrischen 3D-CAD-System konstruiert, kann ein anderes in überschaubarer Zeit lernen.
  • SolidWorks und Inventor sind die breiteste Basis bei kleineren und mittleren Betrieben. NX, CATIA und Creo begegnen Ihnen eher bei grösseren Unternehmen mit komplexen Produkten und eigenem PLM-System.
  • PDM/PLM wird unterschätzt. In jedem siebten Konstruktionsinserat ist die Datenverwaltung ein Thema. Wer Freigabeprozesse, Revisionen und Stücklisten in einem System kennt, sollte das ausdrücklich erwähnen.
  • In der Fertigung entscheidet die Steuerung. Fanuc und Heidenhain decken den grössten Teil ab. Wer beide sicher beherrscht, ist breit einsetzbar; Siemens Sinumerik ist ein guter dritter Baustein.
  • CAM ist der Schritt nach oben. Wer nicht nur an der Maschine, sondern auch mit CAM programmiert, kommt für anspruchsvollere Stellen (5-Achs, Einzelteile, Programmierung in der AVOR) in Frage.

Welche Ausbildung in der Schweiz welchem Abschluss in Deutschland oder Österreich entspricht, lesen Sie im Ausbildungsvergleich; wie die Berufe hier heissen, erklärt der Beitrag zu den Berufsbezeichnungen Schweiz – Deutschland.

Kenntnisse im Lebenslauf richtig angeben

Eine reine Aufzählung «SolidWorks, Inventor, NX, CATIA, AutoCAD» sagt wenig aus – und wirkt schnell unglaubwürdig. Besser:

  • Pro System eine Stufe angeben, zum Beispiel «sehr gut / gut / Grundkenntnisse», und diese Stufen einheitlich verwenden. Eine Definition der Stufen finden Sie im PDF.
  • Zeitraum und Einsatz nennen: «SolidWorks, 6 Jahre täglich, Baugruppen bis ca. 800 Teile, Blech und Schweisskonstruktionen» ist aussagekräftiger als jedes Sternchen-Rating.
  • Bei CNC Maschine, Steuerung und Bearbeitung verbinden: «5-Achs-Bearbeitungszentrum mit Heidenhain TNC 640, Programmierung an der Maschine und mit CAM».
  • Versionen nur, wenn sie etwas aussagen: Bei Heidenhain (z. B. iTNC 530 / TNC 640) oder Sinumerik (840D) hilft die Angabe, bei CAD-Programmen reicht meist der Name.
  • Ehrlich bleiben: Was Sie nur aus einer Schulung kennen, gehört unter «Grundkenntnisse». Im Gespräch oder bei einer Probearbeit fällt eine Übertreibung sofort auf.

Mehr zum Aufbau des Lebenslaufs: Lebenslauf Schweiz für Techniker.

Umstieg von einem System aufs andere

Der Wechsel zwischen zwei CAD-Systemen gleicher Art (parametrisch, featurebasiert) ist vor allem eine Frage der Bedienung: Skizze, Features, Baugruppen, Zeichnungsableitung funktionieren überall nach demselben Prinzip. Erfahrungsgemäss sind Sie nach einigen Wochen produktiv – die Feinheiten (Vorlagen, Normteilbibliotheken, PDM-Anbindung der Firma) lernen Sie im Betrieb.

Bei CNC-Steuerungen ist der Unterschied grösser: Heidenhain arbeitet mit dem Klartext-Dialog, Fanuc und Sinumerik basieren auf DIN/ISO-Code mit eigenen Zyklen. Wer DIN/ISO sauber beherrscht, findet sich bei Fanuc und Sinumerik schneller zurecht; der Weg zu Heidenhain-Klartext (oder umgekehrt) braucht etwas mehr Übung.

So zeigen Sie Umstiegsbereitschaft glaubwürdig:

  • Im Lebenslauf das vorhandene System klar angeben, das gesuchte als «Grundkenntnisse» oder «in Einarbeitung», wenn Sie bereits begonnen haben
  • Im Anschreiben einen Satz zu Ihrem Vorgehen: Testversion, Online-Kurs, Schulung
  • Im Gespräch konkret erklären, welche Funktionen Sie im neuen System schon nachgebaut haben

Weiterbildung und Zertifikate

  • Hersteller-Zertifikate CAD: Für SolidWorks gibt es die Stufen CSWA (Associate) und CSWP (Professional), letztere in drei einzeln ablegbaren Prüfungsteilen am Computer. Autodesk zertifiziert in mehreren Stufen (User, Associate, Professional), unter anderem für Inventor und Fusion. Die Prüfungen sind praxisnah: Sie modellieren am Bildschirm und geben Messwerte an. Ein Zertifikat ersetzt keine Berufserfahrung, ist aber ein guter Nachweis beim Umstieg oder nach einer Pause.
  • Kurse der Software-Händler: In der Schweiz bieten die Vertriebspartner der CAD- und CAM-Hersteller Grund- und Aufbaukurse an, oft auch als Firmenschulung.
  • Steuerungskurse: Die Steuerungs- und Maschinenhersteller schulen in Bedienung und Programmierung, teils in der Schweiz, teils in Deutschland. Auch Weiterbildungszentren von Berufsfachschulen bieten CNC- und CAM-Kurse an.
  • Längerfristig: Für den Schritt in die Konstruktion oder Entwicklung führt der Weg oft über die höhere Fachschule (Techniker HF) oder ein Fachhochschulstudium; viele Fachhochschulen bieten zudem kürzere CAS-Weiterbildungen an.
  • Vor der Anmeldung fragen: Viele Arbeitgeber beteiligen sich an Weiterbildungen, wenn sie für die Stelle nützlich sind – oft verbunden mit einer Rückzahlungsvereinbarung bei frühem Austritt.

Wie Sie im Vorstellungsgespräch über Ihre Software-Kenntnisse sprechen, lesen Sie im Leitfaden zum Bewerbungsgespräch für Konstrukteure.

Checkliste: Ihre Software-Kenntnisse auf einen Blick

  • Alle CAD-, CAM- und PDM-Systeme aufgelistet, mit denen Sie gearbeitet haben
  • Pro System eine einheitliche Stufe festgelegt (sehr gut / gut / Grundkenntnisse)
  • Bei CNC: Maschinen, Steuerungen und Bearbeitungsart verbunden angegeben
  • Für das in der Wunschstelle verlangte System geprüft: vorhanden, ähnlich oder neu
  • Bei einem Umstieg: Testversion, Kurs oder Zertifikat geplant und im Dossier erwähnt
  • ERP- und Office-Kenntnisse nicht vergessen (SAP, Excel)
  • Zwei, drei konkrete Beispiele vorbereitet, die Ihre Kenntnisse im Gespräch belegen

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