Ratgeber für Kandidaten

Bewerbungsgespräch für Automatiker und SPS-Fachkräfte: die 20 häufigsten Fragen

Automatiker, SPS-Programmierer, Inbetriebnehmer und Elektromonteure im Maschinenbau werden im Gespräch vor allem an einem gemessen: Können Sie eine Anlage zum Laufen bringen und am Laufen halten? Steuerungen, Bussysteme, Antriebe, Sicherheitstechnik, Störungssuche und der Umgang mit Kunden bei der Inbetriebnahme. Dieser Leitfaden zeigt die 20 Fragen, die Schweizer Industriebetriebe am häufigsten stellen, warum sie gestellt werden, und wie eine gute Antwort aussieht.

Von Jürgen Winkler, Fachberater Industrie & Technik · Stand September 2026 · Lesezeit 10 Minuten

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Wie das Gespräch für Automatiker abläuft

Meist führt der Leiter Automation, der Leiter Elektrokonstruktion oder der Serviceleiter das erste Gespräch, oft zusammen mit dem Personalwesen. Das erste Gespräch findet in vielen Unternehmen digital statt, das zweite vor Ort mit Rundgang durch Montage oder Schaltschrankbau. Bei Stellen mit Inbetriebnahme beim Kunden wird zusätzlich auf Auftreten und Sprache geachtet, weil Sie das Unternehmen beim Kunden vertreten. Manche Betriebe legen Ihnen einen Schaltplan oder einen Programmausschnitt vor und lassen Sie erklären, was passiert.

Was Sie wissen sollten: Die Lehre als Automatiker EFZ ist in der Schweiz die Referenz. Wer aus Deutschland oder Österreich kommt (Elektroniker für Automatisierungstechnik, Mechatroniker, Elektrotechniker), ordnet seine Ausbildung kurz ein.

Vorbereitung: drei Dinge, die Sie vorher tun sollten

  1. Ihre Systeme auflisten. Steuerungen (Siemens TIA Portal und Step 7, Beckhoff TwinCAT, B&R, Rockwell, andere), Visualisierung, Antriebe, Bussysteme, Sicherheitssteuerungen, Roboter, E-CAD. Mit ehrlicher Einstufung.
  2. Drei Anlagen oder Projekte beschreiben können. Was die Anlage macht, was Ihr Anteil war, was schiefging und wie Sie es gelöst haben.
  3. Rahmenbedingungen klären. Reisebereitschaft in Prozent, Pikett, Kündigungsfrist, frühester Eintritt, Lohnvorstellung.

Die 20 Fragen

Zu Ihrer Person und Ihrem Werdegang

1Erzählen Sie uns kurz, was Sie bisher gemacht haben.

Warum gefragt wird: Der Einstieg.

Gute Antwort: Lehre, die wichtigsten Stationen, welche Anlagen und Steuerungen Sie zuletzt betreut haben, und was Sie zur ausgeschriebenen Stelle führt. Zwei bis drei Minuten.

2Warum wollen Sie Ihre jetzige Stelle verlassen?

Warum gefragt wird: Weglaufen oder hinlaufen.

Gute Antwort: Nach vorne gerichtet, zum Beispiel „Ich möchte mehr programmieren statt nur Störungen beheben“ oder „Ich möchte weniger reisen“. Nie schlecht über den bisherigen Arbeitgeber sprechen.

3Was wissen Sie über unsere Anlagen und Kunden?

Warum gefragt wird: Prüft die Vorbereitung.

Gute Antwort: Zwei konkrete Punkte aus Website oder Stellenanzeige, etwa welche Maschinen das Unternehmen baut und in welche Branchen es liefert.

4Was sind Ihre Stärken, und wo haben Sie Lücken?

Warum gefragt wird: Selbsteinschätzung.

Gute Antwort: Zwei fachliche Stärken mit Beispiel und eine ehrliche Lücke mit dem, was Sie dagegen tun, etwa „Safety-Programmierung habe ich bisher nur begleitet, dafür habe ich mich für einen Kurs angemeldet“.

Zur Fachkompetenz

5Mit welchen Steuerungen und Entwicklungsumgebungen arbeiten Sie, und wie sicher?

Warum gefragt wird: Die wichtigste Fachfrage. Der Wechsel von Siemens zu Beckhoff oder B&R kostet Einarbeitung.

Gute Antwort: Konkrete Liste mit Einstufung, und Ihr letzter Umstieg mit der Zeit, die er gebraucht hat.

6Beschreiben Sie eine Anlage, die Sie in Betrieb genommen haben.

Warum gefragt wird: Zeigt Ihr Niveau.

Gute Antwort: Was die Anlage macht, Ihr Anteil (Programm, Schaltschrank, Antriebe, Visualisierung), was schiefging und wie Sie es gelöst haben, wie lange die Inbetriebnahme gedauert hat.

7Wie gehen Sie bei einer Störung vor, die Sie nicht kennen?

Warum gefragt wird: Störungssuche ist der Kern des Berufs.

Gute Antwort: Symptom eingrenzen, Diagnose in der Steuerung und an den Geräten, Schaltplan und Signalfluss prüfen, Ursache statt Symptom beheben, dokumentieren. Und wann Sie Hilfe holen.

8Welche Erfahrung haben Sie mit Bussystemen und Netzwerken?

Warum gefragt wird: Profinet, EtherCAT, Profibus, IO-Link, OPC UA sind Alltag.

Gute Antwort: Welche Sie eingerichtet und diagnostiziert haben, und ob Sie IP-Adressierung, Topologien und Netzwerkdiagnose beherrschen.

9Welche Erfahrung haben Sie mit Antrieben und Motion?

Warum gefragt wird: Frequenzumrichter, Servoantriebe, Positionierung.

Gute Antwort: Welche Hersteller Sie parametriert haben, ob Sie Achsen in Betrieb genommen und optimiert haben.

10Wie steht es um Sicherheitstechnik?

Warum gefragt wird: Maschinensicherheit ist Pflicht, Fehler sind teuer und gefährlich.

Gute Antwort: Sicherheitssteuerungen, Not-Halt-Kreise, Schutztürüberwachung, Performance Level, Risikobeurteilung, was Sie selbst gemacht und was Sie begleitet haben.

11Lesen und erstellen Sie Schaltpläne?

Warum gefragt wird: E-CAD wie EPLAN ist in vielen Stellen Teil der Arbeit.

Gute Antwort: Ob Sie Pläne lesen, ändern oder selbst erstellen, mit welchem System, und wie Sie Änderungen nach der Inbetriebnahme zurückführen.

12Wie strukturieren Sie ein SPS-Programm, damit andere es verstehen?

Warum gefragt wird: Programme werden von Kollegen und Servicetechnikern gewartet.

Gute Antwort: Bausteine, Standards, sprechende Namen, Kommentare, Versionsverwaltung, Wiederverwendung von Bibliotheken.

13Welche Erfahrung haben Sie mit Visualisierung und Bedienoberflächen?

Warum gefragt wird: HMI und SCADA gehören meist dazu.

Gute Antwort: Welche Systeme (WinCC, TwinCAT HMI, andere), und ob Sie Bedienkonzepte selbst gestaltet haben.

14Haben Sie mit Robotern oder Kamerasystemen gearbeitet?

Warum gefragt wird: Kommt zunehmend vor.

Gute Antwort: Ehrlich, welche Roboter Sie programmiert oder eingebunden haben, oder dass Sie es lernen möchten.

Zur Arbeitsweise und zum Kunden

15Wie treten Sie beim Kunden auf, wenn die Inbetriebnahme nicht läuft?

Warum gefragt wird: Sie vertreten das Unternehmen.

Gute Antwort: Ruhig bleiben, Kunden über den Stand informieren, keine Schuldzuweisungen, Lösung und Zeitplan nennen, intern eskalieren, wenn nötig.

16Wie dokumentieren Sie Ihre Arbeit?

Warum gefragt wird: Inbetriebnahmeprotokolle, Änderungen, Übergabe an den Service.

Gute Antwort: Was Sie festhalten und wo, damit der nächste Techniker weiterarbeiten kann.

17Beschreiben Sie eine Situation, in der Sie mit einem Kollegen oder Vorgesetzten nicht einig waren.

Warum gefragt wird: Konfliktfähigkeit.

Gute Antwort: Sachlich, mit Lösung, ohne die andere Person schlecht zu machen.

Zu den Rahmenbedingungen

18Wie hoch ist Ihre Reisebereitschaft, und sind Sie bereit zu Pikett?

Warum gefragt wird: Inbetriebnahme und Service bedeuten oft Reisen, auch ins Ausland. Wie viel, hängt stark von der Stelle ab: In der Inbetriebnahme sind Sie deutlich mehr unterwegs, in den meisten anderen Automatiker-Stellen eher wenig.

Gute Antwort: Eine ehrliche Prozentzahl und Ihre Grenzen, etwa „Ausland ja, aber nicht mehr als zwei Wochen am Stück“.

19Wie sind Ihre Lohnvorstellungen?

Warum gefragt wird: In der Schweiz eine normale Frage im ersten Gespräch.

Gute Antwort: Nennen Sie eine Spanne als Bruttojahreslohn inklusive 13. Monatslohn statt einer einzelnen Zahl, und grenzen Sie sie nicht zu eng ein. Der passende Lohn hängt von vielen Faktoren ab: Alter, Erfahrung, Ausbildung, Reiseanteil, Verantwortung und Region. Sagen Sie ruhig dazu, dass Sie die genaue Zahl von den Aufgaben der Stelle abhängig machen.

20Haben Sie Fragen an uns?

Warum gefragt wird: Wer keine hat, wirkt uninteressiert.

Gute Fragen: Welche Steuerungen sind Standard, und gibt es einen Programmierstandard? Wie ist die Aufteilung zwischen Werkstatt, Büro und Kunde? Wie werden Reisen und Überzeit geregelt? Wie läuft die Einarbeitung? Gibt es Weiterbildung Richtung Techniker HF oder Projektleitung?

Was Sie mitbringen sollten

  • Alle Arbeitszeugnisse und das Lehrabschlusszeugnis
  • Ihre Liste mit Steuerungen, Bussystemen, Antrieben, Safety, E-CAD und Visualisierung
  • Beispiele von Anlagen, an denen Sie gearbeitet haben, ohne vertrauliche Kundendaten
  • Ihre Fragen an das Unternehmen, schriftlich

Nach dem Gespräch

Ein kurzes Dankesmail am selben oder nächsten Tag ist üblich. Fragen Sie am Ende, bis wann Sie mit einer Rückmeldung rechnen können, und fragen Sie freundlich nach, wenn diese Frist verstrichen ist.

Checkliste zum Ausdrucken

  • Steuerungen, Bussysteme, Antriebe, Safety, E-CAD mit ehrlicher Einstufung aufgelistet
  • Drei Anlagen oder Projekte mit Anteil, Problem und Lösung erklärbar
  • Firmenwebsite und Stellenanzeige gelesen, zwei Fragen notiert
  • Reisebereitschaft in Prozent, Pikett, Lohnspanne, Kündigungsfrist, Eintritt klar
  • Zeugnisse und Lehrabschluss dabei
  • Ein Störungsfall, ein Kundenkonflikt, ein interner Konflikt als Beispiel vorbereitet
  • Anreise geplant, zehn Minuten früher da

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